Almenwanderung

 Nachdem wir die erste Woche in Peru ziemlich lange in den verschiedensten Bussen gesessen sind, wurde es Zeit endlich wieder ein bisschen in die Gänge zu kommen. Und die ideale Gelegenheit dazu bietet die Umgebung von Huaraz und speziell der 43 km lange Santa Cruz Treck in den Cordillieras Blancas.

Im Gegensatz zu Nepal gibt es hier in den Anden keine Teehäuser, wo man sowohl essen als auch übernachten kann. Man muss daher für den 4 Tages-Treck alles selber mitbringen – von Zelt und Schlafsack bis hin zu Essen und Kochtopf. Und auf 4.000 Metern hängt sich so ein Rucksack dann doch sehr an. Kurzfristig haben wir überlegt für unser Gepäck einem 4-beinigen Esel zu mieten statt selber zu schleppen. Nachdem wir aber erfahren haben, dass wir (sprich ich) dann auch für den Eseltreiber kochen müssten, haben wir uns doch für eine All-Inclusive-Tour mit Führer, Koch und Tragetiere entschieden.

Daher haben wir in Huaraz auch sofort einige der unzähligen Anbieter gestürmt, um das für uns beste Angebot zu finden. Letztendlich haben wir einen der teureren Veranstalter ausgesucht, den uns Anna, die wir in Huanchaco getroffen haben, empfohlen hat. Dank der Verhandlungskünste von Klaus haben wir nicht nur einen guten Rabatt sondern sogar noch einen extra Daunenschlafsack gratis dazubekommen. Und den konnten wir dann unterwegs auch sehr gut brauchen!

Schon die 5-stündige Anfahrt nach Vaqueria im Privatbus war den Aufpreis wert. Wie die uralten öffentlichen Busse, mit denen einige der anderen Anbieter fahren, die engen Serpentinen über den 4.767 m hohen Pass geschafft haben, ist mir immer noch ein Rätsel.

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Nach dem Mittagessen, sind wir dann von Vaqueria, das auf ca. 3.700 m liegt, losgegangen. Der Weg führt zuerst noch an Höfen und Feldern vorbei und schlängelt sich dann durch kleine Eukalypthuswälder und endet nach ca. 4 Stunden auf einer keinen Almwiese, wo bereits unsere Zelte für uns aufgebaut waren. Auch unser Esszelt mit richtigen Campingstühlen war schon vorbereitet, was wieder ein Vorteil unserer „Luxus-Tour“ war. Denn gleich neben unserem Camp hat ein Billiganbieter gezeltet wo die armen Wanderer im Freien essen mussten und dabei furchtbar gefroren haben. Nach unserem 3-gängigen Abendmenü !! und unzähligen Tassen „Aqua caliente“ sprich heißem Wasser, sind wir dann schnell in die Schlafsäcke gekrochen.

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Am nächsten Tag ging es zum Punta Union, der mit 4.750 m den höchsten Punkt des Santa Cruz Trecks darstellt. Ob uns der 1.000 m Anstieg wegen des Coca-Tees zum Frühstück nicht so schwer gefallen ist, oder ob wir schon so gut akklimatisiert sind, ist noch nicht geklärt. Die angeblich hungerhemmende Wirkung des Tees können wir definitiv nicht bestätigen.

Der Weg selber hat uns sehr stark an eine Almenwanderung daheim erinnert. Wir haben immer wieder Kuh- und Schafherden gesehen, die zwischen den kleinen Bergseen gegrast haben. Nach Vicunas, den wilden Verwandten der Lamas haben wir allerdings vergeblich Ausschau gehalten. Unser 2. Camp lag auf der anderen Seite des Passes auf 4.200 m. Da die Nacht sternenklar war, waren wir sowohl für den zusätzlichen Schlafsack, als auch für unsere Exped-Daunenmatten besonders dankbar. Ich habe aber trotzdem mit fast meiner gesamten Kleidung geschlafen…

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Gleich in der Früh ging es zum letzten Anstieg, um einen Blick auf den Alpamayo zu werfen, der 1966 zum schönsten Berg der Welt gewählt wurde. Nachdem wir den Riesen gebührend bewundert haben, ist es für den Rest des Trecks immer gemütlich abwärts in Richtung Cashapampa gegangen wo uns schon unser Bus erwartet hat.

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Die Fahrt zurück nach Huaraz war nicht nur wegen der Aussicht und der engen Straße ein Erlebnis. In Carhuaz wurden wir von einem Streik der Transportunternehmer aufgehalten, die die Zufahrt nach Huaraz gesperrt hatten. Nachdem sich alle überzeugt hatten, dass wir keine Peruaner sind und einem großen Palaver, ob wir nun etwas zahlen müssen, wenn wir weiter fahren wollen, sind wir dann doch ohne „Maut“ durchgekommen. Obwohl alles schlussendlich reibungslos funktioniert hat, ist uns doch etwas mulmig gewesen.

Unser nächstes Abenteuer wird hoffentlich nicht ganz so aufregend aber dafür wärmer:Sandboarden in Huancachina!

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