Iguazu und Peninsula Valdes – Argentinien XL

Bei unserer ersten Argentinien Reise im Jahr 2006 mussten wir die Wasserfälle von Iguazu und die Wale vor der Peninsula Valdes aus Zeitgründen leider auslassen. Bei einem dreiwöchigen Urlaub kann man schließlich nicht alles sehen. Bei einem Jahr Weltreise hingegen ist schon mehr machbar. Und da Iguazu ja nur schlappe 1,400 km bzw. nicht einmal 24 Stunden Busfahrt von Rio de Janeiro entfernt liegt, war unser nächster Stopp praktisch vorgegeben.

Die Iguazu-Fälle befinden sich an der argentinisch-brasilianischen Grenze und sind die größten (im Sinne von breitesten) Wasserfälle der Welt. Auf der Gesamtbreite der Fälle von etwa 2.700 m stürzen durchschnittlich etwa 1.700 m³/s, nach längeren Niederschlägen sogar bis zu 7.000 m³/s hinab. Wir hatten das Glück, dass es in den Tagen vor unserem Besuch stark geregnet hatte und sich uns die Wasserfälle daher Extra Large präsentierten.

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Beschreiben kann man die Fälle eigentlich nicht. Besonders der sogenannte “Teufelsschlund” (spanisch: Garganta del Diablo), eine U-förmige, 150 m breite und 700 m tiefe Schlucht, ist kaum in Worte zu fassen. Den Boden der Schlucht kann man nicht einmal erahnen, da die Gischt über die Absturzkante hinauf reicht. Das Getöse der Wassermassen ist ohrenbetäubend und verschlingt alle anderen Geräusche.

Dieses unglaubliche Naturschauspiel kann man praktisch aus erster Reihe miterleben. Durch ein gut angelegtes Netz aus Pfaden und Stegen gelangt man bis auf wenige Meter an die Fälle heran. Dass es dabei nicht ganz trocken abgeht versteht sich von selbst aber das störte uns bei den fast tropischen Temperaturen nicht weiter.

Abgesehen von den Wasserfällen gibt es im Dreiländereck Argentinien/Brasilien/Paraguay mit dem Itaipu Damm noch ein weiteres Superlativ zu besichtigen. Bis zur Fertigstellung des 3-Schluchten-Stausees in China im Jahr 2006 war Itaipu bezüglich der Leistung nämlich das größte Kraftwerk der Erde. Aufgrund der höheren Auslastung der Turbinen bleibt Itaipu hinsichtlich der Jahresenergieproduktion auch weiterhin an erster Stelle. XL in technischer Hinsicht also.

Unser nächstes Ziel, die Halbinsel Valdes, lag ca. 2.500 km weiter südlich – auch für unsere Verhältnisse nicht gerade ums Eck. Um unserem Sitzfleisch etwas Erholung zu gönnen legten wir daher Zwischenstopps in Buenos Aires und in Santa Rosa ein.

Buenos Aires kannten wir bereits von unserer ersten Reise weshalb wir diesmal das Sightseeing Programm einschränkten und uns mehr den ausgezeichneten argentinischen Steaks widmeten. Nach soviel Dolce Vita wollten wir in der Umgebung von Santa Rosa noch einmal richtig wandern gehen. Leider hatten wir in unserer Planung nicht berücksichtigt, dass Santa Rosa in der Provinz Pampa liegt und keine Busse zum 200 km entfernten Nationalpark fahren. Da uns ein eigenes Mietauto zu teuer war und es in dem kleinen Städtchen auch sonst nichts zu tun gibt (Pampa eben) setzten wir uns noch am gleichen Tag wieder in den Nachtbus und fuhren weiter nach Puerto Madryn, dem Ausgangsort für die Halbinsel Valdes.

Zur weitgehend flachen und landschaftlich nicht sehr abwechslungsreichen Halbinsel Valdes fährt man wegen der Seelöwen und See-Elefanten die sich dort tummeln. Hauptattraktion von Valdes aber sind die Südkaper, eine Bartenwalart, die in der zweiten Jahreshälfte hierher kommt, um sich fortzupflanzen und ihre Jungen auf die Welt zu bringen. Die Südkaper werden durchschnittlich 15 m lang, wiegen 50 – 60 Tonnen und zählen damit zu den größten Säugetieren der Welt.

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Von unserer Bootstour und selbst vom Strand aus konnte wir zahlreiche Muttertiere mit ihren Babys aus nur wenigen Metern Entfernung beobachten wie sie ruhig und scheinbar ohne jede Anstrengung durch das Meer gleiten, hin und wieder eine kurze Wasserfontäne ausstoßen und dann lautlos abtauchen. Ein unvergessliches XL-Erlebnis, das sicher zu den Höhepunkten unserer Reise zählt.

In Puerto Madryn trafen wir auch Sandra und Lionel wieder, ein anderes weltreisendes Paar das wir in Bolivien kennen gelernt hatten. Gemeinsam mit ihnen mieteten wir uns ein Auto für einen Tagesausflug nach Punta Tomba. Und da so ein VW-Polo mit 4 Leuten ja fast leer ist, hat sich Ashley, eine Amerikanerin aus unserem Hostel, gleich noch unserem „Road-Trip“ entlang der patagonischen Atlantikküste angeschlossen.

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Zu fünft erkundeten wir die mit 175.000 Pärchen größte Brutstätte von Magellan-Pinguinen weltweit. Irgendwie konnten wir uns kaum vorstellen, dass so viele der tollpatschigen Vögel hier nisten, da diese auf einem riesigen Areal unter Sträuchern oder in kleinen Erdlöchern wohnen. Erstaunlich ist, dass den Pinguinen jede Scheu vor den Menschen fehlt. Man kann sich ihnen bis auf wenige Schritte nähern und muss sogar aufpassen, dass man ihnen nicht auf die Füße steigt. Zu nahe kommen sollte man ihnen trotzdem nicht, denn Eindringlinge vertreiben sie mit zielstrebigem hinterhergewatschle, wie ich am eigenen Leibe erfahren habe.

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Da wir uns in Punta Tomba durch einen Schlechtwettereinbruch schon wieder an niedrigere Temperaturen gewöhnen müssen, ist das das perfekte Training für unsere letzte große Station auf unserer Reise: Feuerland!

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