Rot-Weiß-Rot in Peru

Auf der Suche nach größeren Fleischstücken (siehe Ecuador Bericht) führte uns unsere Reiseroute nach Süden, weg vom Äquator in Richtung peruanischer Grenze. Da Grenzübertritte in Südamerika mitunter nicht ganz unproblematisch sein können, waren wir schon auf einen längeren Aufenthalt im Niemandsland zwischen Ecuador und Peru eingestellt. In diesem Fall waren unsere Bedenken jedoch völlig unberechtigt. Weder wurde unser Gepäck auseinander genommen noch mussten wir einen “Unkostenbeitrag” an die Grenzbeamten entrichten um die notwendigen Passstempel zu bekommen. In weniger als zehn Minuten waren alle Formalitäten erledigt und wir hatten den Grenzfluss überquert.

Als uns auf der peruanischen Seite die rot-weiß-rote Fahne entgegen wehte staunten wir jedoch nicht schlecht. Zwar wussten wir, dass Mexiko einst zum Reich der Habsburger gehörte, aber bis nach Peru war unser Kaiser doch nie vorgedrungen, oder?

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Auch einen österreichischen Staatsbesuch zu dessen Ehren unsere Fahne gehisst worden wäre schlossen wir aus. Faymann und Co. waren nirgends zu erblicken. Erst beim zweiten Mal hinsehen klärte sich das Rätsel auf. Die rot-weiß-roten Streifen auf der Fahne verliefen senkrecht und nicht waagrecht. Ein nicht unwesentlicher Unterschied der uns von nun an bei jedem Anblick der peruanischen Flagge an Österreich denken ließ.

Heimatliche Erinnerungen wurden auch wach als wir in einem unserer seltenen Zimmer mit Fernseher plötzlich die Serie Kommissar Rex laufen sahen. Leider auf spanisch aber den Rex versteht man auch so. Und noch auf einen anderen österreichischen Kommissar stießen wir in Peru. Beim Mittagessen in einem kleinen Lokal in Cusco hörten wir plötzlich den gleichnamigen Falco Hit aus dem Radio. Was sagt man dazu. Falco rules auch in Südamerika!

Die Vorzeichen für einen gelungenen Peru Aufenthalt standen somit gut und wir wurden nicht enttäuscht. Nach unserem tollen 4 Tages Trek in den Cordilleras Blanca von dem wir bereits berichtet haben ging es nach einem kurzen Stopp in Lima weiter an die Küste nach Huacachina.

Dort gibt es zur Abwechslung einmal nicht schneebedeckte Bergriesen sondern gewaltige Sanddünen, die an die Sahara erinnern, zu bewundern. Das wahre Highlight in Huacachina ist aber eine rasante Fahrt mit dem Sandbuggy durch die Dünen inkl. Sandboarding. Dabei rutscht man auf einem Snowboard ähnlichen Brett die Dünen runter. Auch nicht einfacher als auf Schnee nur die Stürze sind um eine Spur weicher. Leider gab es keine Carving Ski zum ausleihen sonst hätten wir denen mal gezeigt wie wir die Hänge in Österreich runter wedeln. Unsere Versuche auf dem Board hingegen lösten eher Belustigung als Bewunderung aus …

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Von Huacachina ging es weiter mit dem Bus nach Cusco, der Hauptstadt des ehemaligen Inka-Imperiums und Ausgangsort für den Besuch von Machupicchu. Da wir dabei wieder einmal die Anden überqueren mussten brauchten wir für die ca. 800 km lange Strecke ganze 18 Stunden. Ein stolzer Schnitt von 45 km/h, der nicht etwa auf die schlechten Straßenverhältnisse zurückzuführen ist, sondern auf die vielen Serpentinen die es einmal rauf und dann wieder runter geht um dann gleich wieder rauf und wieder runter zu fahren, etc. Ein schaukeliges Erlebnis weshalb wir trotz modernem Bus mit Liegesitzen nicht wirklich erholt in Cusco ankamen.

Unsere ersten beiden Tage in Cusco verbrachten wir daher mit lockerem Sightseeing. Cusco, einst als “Nabel der Welt” bezeichnet und so mächtig wie das alte Rom, hat seit seiner Blütezeit im 15. Jahrhundert nicht viel von seiner Anziehungskraft verloren. Zwar ist Cusco nicht mehr Zentrum des Inka Reichs aber dafür die touristische Metropole Perus, was sich natürlich auch in den Zimmer- und Essenspreisen bemerkbar macht. Diesen “Touri-Zuschlag” hatten wir schon erwartet, aber dass selbst für die Besichtigung einer jeden Kirche und jedes noch so unbedeutenden Museums ein nicht gerade geringer Eintrittspreis verlangt wird fanden wir dann doch etwas unverschämt.

Unverschämt sind meiner Ansicht nach auch der Eintrittspreis für Machupicchu selbst und vor allem für die Zugfahrt dorthin. Da es keine Straße gibt verlangt die peruanische Bahn für die 50 km lange Strecke von Ollanta nach Aquas Calientes (Machupicchu Dorf) umgerechnet rund EUR 25 (die 800 km Busfahrt nach Cusco kostet ungefähr genau so viel). Bei diesem Preis wäre auch die ÖBB bald saniert! Fairerweise muss man dazusagen, dass die Zugfahrt 1,5 Stunden dauert. Warum wissen wir nicht, vielleicht aber einfach nur um die EUR 25 zu rechtfertigen.

Angesichts der hohen Kosten für den Besuch von Machupicchu waren auch unsere Erwartungen dementsprechend. Um die Anlage bereits bei Sonnenaufgang bewundern zu können und den Touristenherden zu entkommen machten wir uns bereits um 4:30 Uhr in der Früh an den Aufstieg zur Inka-Stadt. Den anfangs nur leichten Nieselregen ignorierten wir noch aber als es bald darauf in Strömen zum Regnen anfing und wir um 6:30 Uhr völlig durchnässt am Eingang der Anlage standen und außer Wolken und Nebel nichts sahen, war die Stimmung am Tiefpunkt. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Gott sei Dank riss die Wolkendecke gegen 11 Uhr endlich auf und wir konnten Machupicchu doch noch in seiner ganzen Dimension bestaunen. Insgesamt ein versöhnlicher Abschluss denn sehenswert ist die Anlage auf jeden Fall.

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Nachdem wir alle Inka Ruinen in und rund um Cusco ausgiebig besichtigt hatten fuhren wir weiter nach Puno zum Titicacasee, dem höchsten schiffbaren See der Welt (3.800 m) und der vorerst letzten Station unserer Peru Rundreise. Dort spielten wir wieder einmal Pauschalurlauber und buchten mit einer Tour einen Ausflug zu den bekannten schwimmenden Schilfinseln sowie zu den “richtigen” Inseln Taquile und Amantani – Folkloreabend mit Tanz und Verkleidung in der landestypischen Tracht inbegriffen. Auch sehr touristisch aber lustig.

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Ein weniger lustiges Erlebnis hatten wir dann noch an unserem letzten Tag in Puno kurz bevor wir den Bus in Richtung Bolivien besteigen wollten. Am Busbahnhof werden wir von der peruanischen Polizei herausgefischt und nach Drogen und Falschgeld durchsucht. Gefunden haben sie natürlich nichts dafür aber fehlten uns nachher umgerechnet rund EUR 20. Die Polizei dein Freund und Helfer! Wie sie das geschafft haben ist uns unverständlich denn Gepäck und Geld haben wir nie aus den Augen gelassen. Den Abschied aus Peru hat man uns daher im wahrsten Sinne des Wortes “erleichtert”. Dafür sind wir für etwaige ähnliche Kontrollen in Bolivien zumindest schon vorgewarnt.

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