Annapurna Circuit – Weitwandern in Nepal

16 Tage, 225 km und 17.000 Hoehenmeter (rauf und runter) spaeter sowie ein paar Kilo leichter sitzen wir frisch geduscht wieder in Pokhara, trinken Everest Bier und essen Pasta. Aber jetzt der Reihe nach…

 

Nach 4,5 Stunden Fahrt von Pokhara im “Tourist Bus” von Pokhara nach Besi Sahar waren wir am 9.11.2008 endlich am Ausgangspunkt unseres geplanten Treks rund um das Annpurna Massif. Tourist Bus, das bedeutet so viel wie ca. 30 Auslaender zwaengen sich in einen kleinen klapprigen Bus (selbst in jedem Holzklasse Flieger gibt es mehr Beinfreiheit) und am Gang bzw. am Dach faehrt nochmal die gleiche Anzahl an Nepalis mit.

 

Dementsprechend froh aber auch gespannt was uns in den naechsten 2 Wochen erwarten wird sind wir daher als wir unsere Bergschuhe anziehen. Urspreunglich hatten wir geplant uns einen Traeger fuer den gesamten Trek zu nehmen. Da wire s uns beide jedoch nicht so richtig vorstellen konnten wie es ist staendig eine “Begleitperson” dabei zu haben, entschlossen wir uns es doch auf eigene Faust zu versuchen und uns nur bei Bedarf einen Porter zu organisieren.

 

Zugegeben mich hat auch der sportliche Ehrgeiz gepackt und als Oesterreicher hat man schliesslich auch seinen Stolz. Wie wuerde denn das aussehen wenn wir unsere Rucksaecke tragen lassen um dann vielleicht von Flachlaendern ohne Porter ueberholt zu werden. Fuer Ursula war das zwar kein Argument aber schliesslich konnte ich sie doch ueberzeugen auf den Traeger vorerst zu verzichten. Dafuer hat sie mir das Versprechen abgerungen auch ihre Sachen zu tragen falls sie nicht mehr konnte oder wollte.

 

So machten wir uns also mit unseren neuen Rucksaecken und in Summe ca. 25 kg Gepaeck (warum mussten wir auch soviele Landjaeger, Studentenfutter und Muesli Riegel aus Oesterreich mitnehmen?) auf den Weg. Dieser war nicht schwer zu finden, da es im wesentlichen nur einen Trek gibt und wir bei weitem nicht die einzigen waren. Jaehrlich kommen mehr als 80.000 Trekker in die Region, allen voran Israelis, Franzosen und Deutsche. Keine Spur also von Einsamkeit wie wir sie etwa in Patagonien oder Alaska erlebt hatten. Zudem ist das Gebiet zumindest bis auf 3.500 m Hoehe relative dicht besiedelt. Das naechste Dorf ist meist nie mehr als 1-2 Gehstunden entfernt.

 

Bald hatten wir uns in den typischen Trekking Rhythmus eingefunden: Tagwache wie beim Bundesheer um 6 Uhr (da sagt nochmal wer eine Weltreise waere Urlaub …), danach Fruehstueck (meist Apple Pancacke) und um ca. 7:30 Uhr Aufbruch. Jen ach Tagesziel marschierten wir dann zwischen 5-7 Stunden, anfangs auch mehr, mit zunehmender Hoehe immer weniger.

 

Spaetestens um 16:00 Uhr waren wir meist in unserer Lodge fuer den Abend. Warum wir un simmer so frueh auf den Weg machten? Erstens konnten wir (oder besser ich) ohnehin nicht laenger schlafen. Nein, keine senile Bettflucht aber wenn man bereits um 20:00 Uhr im Bett ist reicht es auch irgend wann. Zweitens war es in der Frueh noch nicht so heiss und daher in den zumindest in den unteren Hoehen angenehmer zum wandern. Und last but not least gab es unter den Trekkern taeglich ein Wettrennen um die beste “Hot Shower”. Nach 16:00 Uhr hatte man kaum noch Chance auf eine ordentliche warme Dusche, dad as Wasser in der Regel solarbetrieben erhitzt wird und die Speicher nach einigen ausgiebigen Duschen (eine wahre Wohltat nach einem langen staubigen Tag am Trek) bald erschoepft sind.

 

Abendessen gab es nach Vorbestellung meist puenktlich um 18:30 Uhr. Vorgewarnt von Lisi und Martin hatten wir uns schon auf 14 Tage Dal Bhat (Reis mit Linsensuppe) und Momos eingestellt. Zu unserer Freude hatte sich die Speisekarte seit deren Nepalreise deutlich verbessert. Ausser Dal Bhat und Momos wurden Pizza, Pasta, Burger, Mexican Food und manchmal auch Yak Steak angeboten. Obwohl die Versuchung gross war sind wir dann doch bei den traditionellen Gerichten geblieben. So haben wir halt des oefteren veggie fried rice, veggie fried noodles oder eben Dal Bhat und Momos gegessen. Wer will schon auf 4.000 m einen Durchfall bekommen noch dazu wen die Toilette draussen und es in der Nacht sau kalt ist. Bis auf eine kleine Magenverstimmung von Ursula sind wir so bislang von groesseren Beschwerden verschont geblieben.

 

Nicht nur das Essen, auch die Unterkuenfte waren besser als erwartet. Einfacher zwar wie etwa eine Berghuette in den Alpen aber immer sauber. Ein Manko hatten aber leider alle unsere Unterkuenfte. Abends wurde es ziemlich schnell sehr kalt. Da Brennholz kostbar ist wurde der einzige Ofen im Speiseraum auch nur spaet eingeheizt. Und gluehende Kohlen unter dem Tisch gab es auch nur manchmal. Sperrstunde brauchte es keine, sobald das Feuer aus war spaetestens gegen 21:00 Uhr) verkroch man sich gerne in den Schlafsack.

 

Die Gespraeche beim Abendessen mit den anderen Trekkern drehten sich meist um die gleichen Dinge; woher man kommt, wie lange man schon unterwegs ist und wohin man morgen gehen will. Viele von den anderen Trekkern sind auch Weltreisende oder zumindest solche, die mehrere Monate in Asien unterwegs sind. Daneben gibt es gefuehrte Gruppen (die meisten nerven, vor allem wenn sie aus Frankreich kommen) und Wanderfans, die mit eigenem Porter und Guide unterwegs sind. Da alle ziemlich den gleichen Rhythmus haben (oder den gleichen Reisefuehrer verwenden), trifft man sich immer wieder und es entstehen auch engere Bekanntschaften.

 

Interessanterweise verbringen wir die meiste Zeit nicht mit den anderen meist juengeren Weltreisenden sondern mit Pierre und Marie Jeanne aus Holland sowie Martin und Margret aus Deutschland. Beide Paare sind zwar etwas aelter als wir aber mindestens so aufgeschlossen wie die Studenten und haben um einiges mehr zu eraehlen.

 

Ab dem Ort Manang (3.540 m) schliessen wir uns ihnen an um gemeinsam aber jeder in seinem Tempo den 5.416 m hohen Thorung La Pass zu ueberqueren. Da es sich angeblich um den hoechsten Trekking Pass der Welt handelt und wir noch nie auf einer derartigen Hoehe waren, habern wir gehoerigen Respekt vor dieser Ueberschreitung.

 

Ueberhaupt scheint sich ab Manang alles um den Thorung La zu drehen. Kein Abendessen bei dem nicht darueber gesprochen wird ob man die Ueberquerung nun besser von Thorung Phedi (Base Camp auf 4.420 m) oder doch vom High Camp (4.800 m) aus startet. Dazwischen immer wieder die obligatorische Frage wie man sich fuehlt und ob man nicht etwa erste Anzeichen von Hoehenkrankheit verspuehrt (Kopfschmerzen, Uebelkeit, Schwindel, etc.).

 

Wir bleiben von all dem Gott sei Dank oder vielleicht besser dem Lama sei Dank verschont. Vor unserem anstrengenden Anstieg zum Thorung La Pass holen wir uns naemlich den Segen eines echten Lama, der auf 4.000 m sehr einsam in einem in den Fels gehauenen Kloster wohnt. Angeblich ist er bereits 92 Jahre alt und seit 36 Jahren in diesem Kloster. Fehlen duerfte es ihm an nichts, da er immer wieder von Touristen Besuch bekommt die sich fuer eine “Spende von 105 Rupee (ca. 1 EUR) seinen Segen holen. Hilfts nichts, so schadet es auch nicht.

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Die Passueberquerung war jedenfalls problemlos wenn auch sehr anstrengend. Die Luft dort oben ist schon sehr duenn. Alle paar hundert Meter mussten wir stehen bleiben um wieder zu Atem zu kommen. Ich fuehlte mich so wie ab km 35 bei meinem Marathon, nur dass ich hier im Schneckentempo und nicht im Laufschritt unterwegs war. Eine Erfahrung war es allemal un die Aussicht auf dei schneebedeckten Himmalya Gipfel hat fuer alles entschaedigt.

 

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Ueberhaupt war der Trek landschaftlich sehr reizvoll und abwechslungsreich. Innerhalb weniger Tage haben wir sub-tropische Huegellandschaften, Foehrenwaelder, trockene, wuestenaehnliche Gebiete und natuerlich hoch alpines Terrain durchwandert.

 

Dazu kamen die zum Teil noch sehr urspruenglichen nepalischen Doerfer bei denen man sich oft in das Mittelalter zurueckversetzt vorkommt, besonders in Orten wir Chame oder Kagbeni. Strom gibt es zwar meist bereits – wenn auch nur einige Stunden am Tag – doch ansonsten duerfte sich seit Jahrhunderten nicht viel veraendert haben. Die meisten Haeuser bestehen nur aus 1 oder max. 2 total verrusten Raeumen in denen gleichzeitig gegessen, gewohnt und geschlafen wird. Die Felder werden mit den Ochsen gepfluegt und da es zumindest auf der Seite von Besi Sahar keine durchgaengige Strasse gibt, gibt es natuerlich auch keine Autos, Motorraeder, Traktoren oder aehnliches. Einziges Fortbewegungsmittel ist zu Fuss oder per Pferd bzw. Maultier.

 

Trotz oder vielleicht wegen den bescheidenen Mitteln mit denen sie auskommen muessen sind die Nepali wie es scheint ein sehr zufriedenes Volk. Ein freundliches “Namaste” bekommt man fast von jedem zu hoeren und richtiges betteln ist selten. Nur die Kinder – uebrigens echte Rotznasen denn Taschentuecher gibt es keine – fragen ab und zu nach einer Pen oder Sweets. Da wir erstens nicht zum verschenken haben und letzteres nicht verschenken wuerden (das haben die auf Kuba auch schon versucht: Stichtwort Caramello?) stoert uns das wenig.

 

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Insgesamt war es ein wirklich toller Trek, der uns wieder darin bestaetigt hat, dass man Land und Leute viel intensiver als aus dem Bus bzw. Mit dem Mietauto kennen lernen kann. Unser Gepaeck haben wir uebrigens letztendlich die meiste Zeit selbst getragen. Nur fuer die Strecke Pisang bis Thorung La Pass (4 Tage) hatten wir einen Traeger der uns einen schweren Rucksack abnahm. Vom Pass runter tragen wollte er unseren Rucksack nicht mehr, obwohl es so vereinbart war. Wie wir erst spaeter erfuhren war es auch fuer unseren Traeger (hauptberuflich Koch) das erste Mal, dass er auf einer derartigen Hoehe war. Da hat er dann lieber umgedreht anstatt am naechsten Tag nochmals von der anderen Seite raufzugehen. Naja, runter gings ohnehin leichter und fuer meinen Stolz war es auch gut so …

 

PS: Fotos haben wir auch hochgeladen – auch wenn die Reihenfolge noch nicht stimmt.

11 Antworten auf „Annapurna Circuit – Weitwandern in Nepal“

  1. hallo ihr zwei,

    es ist schön von euch zu lesen. es macht die arbeit erträglicher wenn man weiß, dass es noch etwas anderes gibt:-))
    ich hoffe nur, dass ihr nicht zu bald nach indien kommen werdet. dort spielen sich im moment ganz wilde sachen ab. paßt gut auf euch auf….

    lg
    sonja

  2. Hi Klaus und
    unbekanntweise Ursula,

    wenn man Eure Berichte liest dann bekommt man richtig Lust drauf‘ dies ebenfalls zu unternehmen.

    Wünsche Euch Alles Gute auf Eurem weiteren Weg.

    Ciao,
    Sven

  3. Ich bin jedesmal schon so gespannt, wenn ich
    Neuigkeiten höre.
    Niemand kann einem diese schönen Erlebnisse
    und die Natur dort wegnehmen – denn nur
    wer wagt – gewinnt.
    Beste Wünsche für die Gesundheit begleiten Sie weiter.
    Herzlichst
    Christine Mader

  4. Hallo Ihr Helden!

    Bewundere Euren Mut und vor allem Eure Kondition! Warte schon gespannt auf neue Abenteuer, aber jetzt rastet Euch mal anständig aus.

    Liebe Grüße

    Gaby

  5. Hurra!
    endlich wird auch hier ordentlich gebloggt!
    Danke auch fuer Euer mail und geniesst es weiter.
    Wir haben gerade heisse Stimmung in BKK, aber nicht so heiss wie in Indien. Vergleichsweise ist das hier nur wie Gusi gegen Molterer mit blokiertem Flughafen.
    Passts in Indien auf und keept uns immer brav blogged! Wir freuen uns auf mehr und auf Euch auf der Insel.
    lg aus BKK

    j+k

  6. He ursula and Klaus,

    Glad to read that you are in Pokhara, that’s good! We are in Nijmegen! Back home again.
    Our flight was good.
    It was funny to read your story about our trekking. Today we told our children almost the same.
    Greetings
    Pierre and Marie-Jeanne

  7. Hallo Ihr 2
    Tja, da kann ich nur eines feststellen: BIN NEIDISCH!!!!
    Macht nur noch recht viele Enträge und Fotos, so bin ich auch
    auf einer mini Weltreise…. Noch die Besten Wünsche für Euch und
    immer Fit und Gesund bleiben –
    liebe Grüsse und bis bald
    Andrea

  8. Hallo Ursula und Klaus,

    schön von Euch zu hören. Klingt wirklich richtig gut, so wie ihr das erzählt! Kein Wunder, dass hier im Blog alle neidisch werden.
    Apropos neidisch, in der Kantine gabs heute Currrywurst Pommes und gestern abend gabs bei einem kurzen Gang über den Weihnachtsmarkt gaaaanz leckeren Glühwein. Gibts das in Nepal auch alles, dann kommen wir nach… 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Sabine, Frank und Moritz

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