Vivre la France – ah Vivre la Laos!

Kolonialmaechte hinterlassen bei ihrem Abzug nicht selten ein Land im Chaos. So geschehen in Indien, der ehemaligen britischen Kolonie und letzten Station unserer Reise als auch im frueheren franzoesisch beherrschten Indochina (Laos, Vietnam, Kambodscha), das wir zur Zeit erkunden.

Meist dauert es Jahrzehnte bis sich die Verhaeltnisse in diesen Laendern stabilisieren und sich eine funktionierende Administration bildet. Die Einfluesse der Kolonialherren sei es in Sprache, Architektur oder Kultur sind noch viel laenger zu finden. Indien zum Beispiel hat den Briten ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz zu verdanken. Nicht durchsetzen konnte sich hingegen das ohnehin nicht beruehmte Essen der Inselbewohner (Gott sei dank). In Laos verhaelt es sich genau anders. Die Franzosen haben sich offensichtlich wenig um die Infrastruktur des Landes gekuemmert (Zuege gibt es so gut wie keine), dafuer aber getreu ihrer Reputation ein kulinarisches Erbe hinterlassen. Baguette, Cafe au Lait und Croissants sind im ganzen Land zu finden und schmecken fast wie in Frankreich. Vivre la France!

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Laos spezifisch und weit entfernt von westeuropaeischer Hektik hingegen ist die Ruhe und Gelassenheit die hier herrschen. Was fuer eine Wohltat nach den teils nervenaufreibenden Wochen in Indien. Endlich Urlaub! Wuerde man hier nicht Beer Lao und Lao Lao Whiskey anstelle von Rum trinken und nicht thailaendischer Schlager statt Salsa aus den Lautsprechern droehnen so koennte man glauben auf einer Karibikinsel zu sein. Zugegeben, das Meer fehlt aber Sandstrand und Palmen gibt es auch entlang des Mekong. Vivre la Laos!

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Ueberhaupt wurde unsere Reise in Laos vom Lauf des Mekong bestimmt. Von Huay Xing ganz im Norden an der Grenze zu Thailand bis zu den 4.000 Inseln im Sueden dort wo Laos an Kambodscha grenzt sind wir ihm entweder direkt per slow boat (macht seinem Namen alle Ehre) oder mit dem Bus nie weit von ihm entfernt gefolgt. Dazwischen haben wir uns treiben lassen um auch etwas vom laotischen savoir vivre einzufangen.

Da es ausser Luang Prabang, der frueheren Koenigsstadt und heute UNESCO Weltkulturerbe keine absoluten touristischen „must sees“ gibt, hatten wir auch keinen Druck auf der Suche nach der naechsten Sehenswuerdigkeit von einem Ort zum naechsten zu rasen. Stattdessen haben wir uns hier ein paar Tage und dort ein paar Tage gegoennt um z.B. die Tropfsteinhoehlen in Vang Vieng oder die zahlreichen Wasserfaelle und Kaffeeplantagen am Bolaven Plateau zu erkunden.

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Abends haben wir bei einem Fruit Shake oder Beer Lao den ueberaus kitschigen Sonnenuntergang am Mekong genossen um uns anschliessend an gegrillten Huehnchen mit sticky rice oder an Bananenblaetter eingewickelten Fisch zu staerken. Gegessen haben wir so wie die Einheimischen auch meist an den Essensstaenden auf den ueberall zu findenden Nachtmaerkten. An die wirklich exotischen Speisen wie gegrillte Ameisen, Spinnen oder Schlangen haben wir uns noch nicht getraut. Das heben wir uns fuer China auf (oder auch nicht …).

Trotz der laotischen Leichtigkeit, die uns zweifellos viele Probleme des Landes (Armut, hohe Kindersterblichkeit, unexplodierte Bomben aus dem Vietnamkrieg) vergessen lies, konnten wir uns den Schattenseiten nicht ganz entziehen. Erstmals haben wir die nicht nur in Laos sondern in ganz Indochina allgegenwaertige Korruption selbst erlebt.

Bei unserem Grenzuebertritt nach Kambodscha an einem sehr entlegenen Uebergang wollte doch der laotische Beamte von jedem von uns 1 USD kassieren damit er uns den notwendigen Ausreisestempel gibt. Zugegeben nicht gerade viel aber trotzdem ungerechtfertigt. Wir haetten zwar unter Protest aber doch bezahlt einfach um die Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Aber unsere beiden Mitreisenden J.P. und Sooyung, ein kanadisch/koreanisches Paar, das gemeinsam an einem Buch arbeitet, waren standhafter. Da er uns weder eine Zahlungsbestaetigung noch seinen Namen geben wollte, weigerten wir uns zu bezahlen und stritten mit dem Beamten eine halbe Stunde herum. Erst als Sooyung ein Foto von unserem Apparatschik machte und ankuendigte, dieses gemeinsam mit einem Beschwerdebrief ans Tourismus Ministerium zu senden, drueckte er uns unter lautstarken Beschimpfungen den Stempel in den Pass – ohne zu bezahlen. Auch das ist Laos.

Wenig ueberraschend war auch der Einreisestempel auf der kambodschanischen Seite nicht gratis. Um unseren Bus nach Siam Reap zu erwischen zahlten wir diesmal jedoch wortlos. Inkonsequent ich weiss aber was soll man machen.

 

 

PS: Diesmal sind die Fotos auch schon online!

6 Antworten auf „Vivre la France – ah Vivre la Laos!“

  1. Hallo Ihr Weltenbummler!

    Bericht und Fotos super.
    Hab Eure Reise bis jetzt in Google Earth auf Grund der Bericht gut verfolgen können.

    Gruß Herbert und Greti

  2. Hello Ihr Beiden!
    Schaut so aus – als ob es Euch gut geht! Wir warten hier, dass der blöde Winter endlich Abzug hält – aber nix da. Bei uns nix neues same Procedure as every day….aber ein Lichtblick – wir bekommen nächste Woche die Schlüssel zu unserer neuen Wohnung – und dann wird mit Büro und Wohnung gesiedelt und im April bin ich dann reif für die Klapse! Bin dann wohl das erste Mal in meinem Leben Malediven Reif!
    Paßt auf Euch auf – genießt es und bis bald!
    Bussi Ulli & Peter & Toni (letzte Woche haben wir mit 5 Knackwürstl Tonis 8. Geburtstag gefeiert)

  3. Es lebt die Korruption und hoch leben die die NICHT zahlen!
    Was soll man(n) machen? – na diskutieren, schimpfen und Rechnung verlangen, fragen ob man bei ihm einziehen kann wenn die Ausreise nicht moeglich ist, … u.s.w. da gibts viel um solchen Kerlen selbst auf die Nerven zu gehen.
    Ich kann das total nachvollziehen, auch wenns nur so wenig Geld ist aber das aergert ich mich auch!

    Also nach dem kleinen Ausrutscher bitte wieder Standhaft bleiben
    😉
    liebe Gruesse aus dem outback

    johannes

  4. Hallo Klaus und Urs,

    bei Euch gehts jetzt dann dann nach China – bin gespannt wie es Euch dort gefaellt/ergeht 😉 Wir sind gerade in Mt. Isa (wer kennts nicht :-)) und haben heute erfahren dass es fuer uns wegen der Regenfaelle jetzt nicht weiter ins Landesinnere geht, somit werden wir falls wir es bis dorthin schaffen an die Oestkueste zurueck fahren ! Dann faellt das mit der Westkueste leider ins Wasser (im wahrsten Sinne des Wortes) Halten euch auf dem Laufenden !
    Bussi Katharina

  5. Liebe Weltenreisende,
    es ist jedes Mal eine große Freude die spannenden Berichte zu lesen. Ich erlebe die Länder gleichsam mit.
    Weiterhin Alles Gute, Gesundheit und viel Freude.

    Herzlichst
    Christine Mader

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