High Life in La Paz

Nach unserem weniger freundlichen Erlebnis mit der Touristenpolizei von Puno hatten wir zunächst einmal genug von Rot-Weiss-Rot und so ging es den tiefblauen Titicacasee entlang nach La Paz, unserem ersten Abstecher nach Bolivien. Auf den ersten Blick hat La Paz außer den vielen großteils unverputzten Häusern die sich aus dem Talkessel hinaufziehen nicht allzu viel zu bieten aber trotzdem ist die Stadt wahrhaft atemberaubend. Dafür verantwortlich ist die extrem hohe Lage zwischen 3100 und 4100 m womit La Paz den Rekord der höchstgelegenen Großstadt (die Hauptstadt ist Sucre) der Welt hält.

Der Mangel an “klassischen” Sehenswürdigkeiten störte uns jedoch nicht weiters denn wir waren nicht primär zum Sightseeing nach La Paz gekommen sondern um etwas Action zu erleben. Ich wollte in den Cordillera Real endlich meinen lang ersehnten Sechstausender erklimmen und danach wollten wir noch gemeinsam mit dem Mountain Bike die berüchtigte “Death Road” bezwingen.

Nach zwei Tagen Höhenanpassung in denen wir die zahlreichen indigenen Märkte erkundeten ging es daher in ein Reisebüro und bald hatte ich eine dreitägige Tour auf den nahegelegenen Huayana Potosi gebucht. Der Huayana Potosi ist mit 6088 m zwar einer der leichtesten Sechstausender der Welt aber trotzdem war mir beim ersten Anblick des schneebedeckten Berges etwas mulmig zumute. Schließlich war ich noch niemals so hoch oben gewesen und hatte auch noch nie Steigeisen verwendet. Ich wusste nicht einmal wie man die Dinger anlegt, geschweige denn wie man einen Pickel richtig benutzt.

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Alles kein Problem versicherte man uns (neben mir waren noch 3 Engländer und ein Deutscher in der Gruppe) und so marschierten wir gleich nach unserer Ankunft im Base Camp (4700 m) zum nahe gelegenen Gletscher wo wir gut eine Stunde den richtigen Umgang mit Steigeisen und Pickel probten. Eigentlich wirklich nicht so schwierig nur leider war ich nicht ganz bei der Sache denn mein Bauch, der bereits nach dem Frühstück rebelliert hatte, machte sich nun wieder bemerkbar. Anscheinend war mir Tags zuvor das Essen in einem Marktstand in La Paz nicht ganz bekommen. Die erste Nacht im Refugio war nicht besonders erholsam. Draußen stürmte der Wind und wenn ich nicht gerade an die Gruppe vor uns dachte die in dieser nicht so stillen Nacht auf den Gipfel wollte, dann war ich mit meinem Bauch beschäftigt. Keine allzuguten Vorzeichen also für meinen Gipfelversuch.

Nach rund einem Liter Tee am nächsten Morgen fühlte ich mich jedoch wieder halbwegs fit und auch das Mittagessen schmeckte wieder. Am frühen Nachmittag machte ich mich daher gemeinsam mit unserer Gruppe und dem Guide auf den Weg in das auf 5300 m gelegene High Camp. Der knapp 3stündige Aufstieg war nicht weiter anstrengend und nach einem leichten Abendessen (Nudelsuppe mit Frankfurter!) war bereits um halb sechs Uhr abends Bettruhe angesagt. Schließlich sollten wir erholt sein bevor wir mitten in der Nacht zum Gipfel aufbrechen würden.

Klarerweise war um diese Zeit niemand wirklich müde und so bemühten wir uns mehr oder weniger erfolgreich etwas Schlaf zu finden. Ich nickte immer wieder mal ein nur um bald darauf wieder auf die Uhr zu schauen. Um 1 Uhr war es dann endlich Zeit zum Aufstehen und etwas nach 2 Uhr waren wir abmarschbereit (natürlich musste uns der Guide wieder beim Anlegen der Steigeisen helfen). Die Nacht war zwar kalt aber windstill und ich fühlte mich soweit gut. Kein Kopfweh oder sonstige Anzeichen von Höhenkrankheit.

Die ersten 3 Stunden verbrachten wir mit relativ monotonem Schneestapfen. Ab und zu war eine kleine Gletscherspalte zu überspringen um dann wieder einen Fuss vor den anderen zu setzen. Von der Umgebung bekam ich im kleinen Licht der Stirnlampe nichts mit. Kurz vor 5 Uhr hatten wir den letzten und technisch schwierigsten Teil des Anstiegs erreicht. Jetzt waren nur noch 200 Höhenmeter im bis zu 50° steilen Gelände zu überwinden. Zum ersten Mal mussten wir nun auch den Pickel wirklich einsetzen und uns zum Teil auf allen vieren hocharbeiten was auf dieser Höhe eine ziemliche Schinderei ist und unweigerlich zur Sinnfrage führt. Nach gut einer Stunde hatten wir jedoch endlich den ziemlich schmalen Gipfelgrat erklommen und bereits nach wenigen weiteren Metern standen wir genau rechtzeitig zum Morgengrauen am höchsten Punkt des Huayana Potosi. Ich hatte mein Ziel erreicht und war überwältigt vom tollen Ausblick im Licht der aufgehenden Sonne. Unter uns waren die Berge der Cordillera Real, La Paz und sogar der Titicacasee zu sehen. Alle Anstrengungen waren vergessen.

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Nach ca. einer halben Stunde am Gipfel machten wir uns an den Abstieg der natürlich bedeutend einfacher war als der mühsame Weg hinauf. Nach 2 Stunden waren wir im High Camp wo wir die Steigeisen wieder abschnallten, uns kurz ausruhten um dann nochmals 1,5 Stunden zum Base Camp abzusteigen. Unten angekommen waren wir ziemlich müde aber auch etwas stolz auf unsere Leistung. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, als uns unser Guide erzählte, dass er für den Aufstieg vom High Camp bis zum Gipfel (wofür wir 4 Stunden gebraucht haben) er nicht einmal eine Stunde benötigt wenn er alleine geht! Naja, das ist sicher nur auf die bessere Höhenakklimatisation zurückzuführen …

Unser zweites, diesmal gemeinsames Abenteuer in La Paz war zwar weniger anstrengend als mein Sechstausender dafür aber nicht weniger aufregend. Erneut hatten wir eine Tour gebucht um diesmal mit dem Mountainbike die laut Unfallstatistik gefährlichste Strasse der Welt hinunterzufahren. Von La Paz aus fuhren wir zunächst mit dem Bus zum 4750 m hohen, eiskalten und mit Schnee bedeckten La Cumbre Pass. Von dort aus ging es nur noch bergab – über 3300 Höhenmeter in weniger als 65 km.

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Die ersten 30 km konnten wir unsere Full Suspension Mountainbikes noch so richtig laufen lassen, erst danach beginnt die eigentliche Death Road. Hunderte von Metern fällt der Berg fast senkrecht ab und die Schotterpiste ist zeitweise nur so breit wie ein Auto. Mit dem Mountainbike ist die Strecke leicht zu bewältigen, vorausgesetzt man hat gute Bremsen (was Gott sei Dank der Fall war). Mit dem Auto oder Bus möchte ich die enge Strasse jedoch nicht fahren, dafür sieht man zu viele abgestürzte Fahrzeuge unten in der Schlucht liegen.

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Auch wenn die sogenannte Death Road den Mountainbikern mittlerweile alleine gehört da alle Fahrzeuge auf eine neue Strasse auf der gegenüberliegenden Bergflanke ausweichen, ist sie immer noch spektakulär. Nirgendwo sonst gelangt man in weniger als 5 Stunden radeln von schneebedeckten Gipfeln bis hinunter in den Urwald. Während es in La Cumbre noch Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte war es in Coroico, dem Endpunkt unserer Tour tropisch warm (über 25°). Temperaturen an die wir uns nach den kühlen Tagen und vor allem Nächten am Altiplano gewöhnen könnten. Doch das wird noch etwas warten müssen denn nach soviel Action geht es erstmal wieder zurück in den Süden von Peru.

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